„Wenn wir den Weg
mit ihnen gemeinsam gehen, dann ist bei der kleinsten
Hilfe das Lächeln und die Dankbarkeit der
Menschen sehr groß”
(von Dr. Norbert Bischofberger).
Die katholische Kirche ist in der Demokratischen
Republik Kongo "Mädchen für alles".
Sie kümmert sich um die Gesundheit der Bevölkerung,
die Bildung, den Transport und den Verkauf landwirtschaftlicher
Produkte und nicht zuletzt um die Seelsorge. Dies
wird deutlich am Beispiel der Diözese Idiofa
im Distrik Bandundu im Südwesten des Landes.
Die Reise nach Idiofa ist abenteuerlich. Mit einem
antiquierten russischen Transportflugzeug gelangt
der Besucher nach Kikwit - die Stadt ist durch
den Ausbruch des Ebola-Virus weltweit bekannt
geworden. Dann geht es weiter im Geländewagen
über eine Naturstrasse, die streckenweise
einem Flussbett gleicht, nach Idiofa, der Stadt
mit dem Sitz des Bischofs.
Die Rolle der Kirche
„Die Kirche ist praktisch in allen Bereichen
der Gesellschaft engagiert", erklärt
Bischof Louis Mbwol Mpasi. Die Kirche
ist für 404 Primar- und Sekundarschulen verantwortlich.
Hinzu kommen Ausbildungszentren für technische
und landwirtschaftliche Berufe sowie Schulen für
Krankenschwestern und Hebammen. Die Liste der
Einrichtungen, die von der Kirche getragen werden,
ist lang. Eine landwirtschaftliche Genossenschaft
hilft den Bauern bei der Verarbeitung von Maniok,
Mais, Erdnüssen, Reis, Hirse und Kaffee.
Die Energie hierfür wird in einem Wasserkraftwerk
der Diözese in der Nähe der Stadt Idiofa
produziert. Die Kirche betreibt einige Krankenstationen
mit Aussenstellen, sogenannten Ambulatorien. Eine
wichtige Rolle kommt der Kirche in Sachen Transport
und Kommunikation zu. Sie verfügt über
einige Gelände- und Lastwagen und über
eine Funkanalage, die einzige Verbindung zur Aussenwelt.
Engagement statt Karriere
Bernardin Makumi ist leitender Arzt im
Krankenhaus von Idiofa. Er hat auf eine Karriere
in Kinshasa verzichtet und ist in seine Heimat,
nach Idiofa, zurückgekehrt, um der Landbevölkerung
beizustehen. Im August 1996, nach der Machtübernahme
durch Kabila, hat der Staat das marode Krankenhaus
der Kirche anvertraut. Makumi erinnert
sich: „Das Krankenhaus war tot, die Gebäude
verfallen, ohne Türen, ohne Fenster, ohne
Mobiliar; es waren keine Patienten da, es gab
keine Medikamente." Heute wird wieder operiert
und medizinische Beratung und Vorsorge geleistet.
Von den ursprünglich 22 Gebäuden sind
17 wiederhergestellt. –> |
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Die Landbevölkerung lebt in ärmlichen
Verhältnissen. Wer nicht in der Stadt wohnt
und über einen Wasseranschluss im Haus oder
Quartier verfügt, muss das Wasser vom nächsten
Fluss holen. Sanitäre Installationen beschränken
sich auf Plumpsklos. Die hygienischen Verhältnisse
sind prekär. Häufig breiten sich Krankheiten
und Infektionen aus, darunter Darmerkrankungen,
Malaria, Tuberkulose oder die Schlafkrankheit.
Virulent ist das Aidsvirus. Bernardin Makumi
hat festgestellt, dass im Krankenhaus
in Idiofa 30 Prozent der Patienten in der Tuberkuloseabteilung
mit dem Aidsvirus infiziert sind. Eine
Untersuchung für das ganze Land geht davon
aus, dass jede siebte Frau, die in einem
Krankenhaus entbindet, infiziert ist.
Zuverlässige Zahlen liegen nicht vor; der
Aids-Test ist zu teuer und wird normalerweise
nur bei Bluttransfusionen durchgeführt.
Auf der Seite des Volkes
Schwester Maria Pernet leitet die diözesane
Apotheke. Sie ist für den Einkauf und die
Verteilung der Medikamente an die Krankenhäuser
und Ambulatorien zuständig. Einige Medikamente
werden im Kongo hergestellt, die meisten müssen
aus Europa importiert werden. Neben den hohen
Kosten gibt es immer wieder Probleme mit dem Transport.
Maria Pernet gehört zur Kongregation
"La Sainte-Famille de Bordeaux".
Vor knapp 30 Jahren ist sie aus Belgien nach Idiofa
gekommen. Ihre Gemeinschaft ist afrikanischer
geworden. Von den 45 Schwestern stammen inzwischen
34 aus dem Kongo.
Die Schwestern arbeiten im Gesundheitswesen
oder unterrichten in Schulen und in sozialen Zentren,
wo junge Frauen Lesen, Schreiben, Nähen oder
Regeln für richtige Ernährung lernen.
"Im Unterricht und in unseren Kursen, sei
es Religion, aber auch Französisch, Englisch
oder Nähen, können wir viel von der
christlichen Botschaft vermitteln", sagt
Schwester Maria Pernet und fügt
hinzu: "Die Atmosphäre ist im Moment
gut. Wir haben schon schwierigere Momente erlebt.
Wir müssen jetzt Schritt um Schritt mit den
Menschen gehen. Es geht nicht darum, dass wir
Schwestern alles leisten; es muss auch ein Beitrag
von seiten der Bevölkerung kommen. Wenn wir
den Weg mit ihnen gemeinsam gehen, dann ist bei
der kleinsten Hilfe das Lächeln und die Dankbarkeit
der Menschen sehr groß." |